Fast unglaublich, aber dennoch wahr. Im Juni 2007 unternahmen Schüler des Abschlussjahrgangs der Außenklasse Tauberbischofsheim unter Begleitung ihrer Lehrkräfte eine einwöchige Reise nach Irland. Geboren wurde die Idee während eines Ausflugs in Würzburg. Bereits dort war es Ziel, Leben und Wirken St. Kilians zu erkunden. Bei weiteren Nachforschungen zu seiner Person stieß die Klasse auf die in Irland gelegene Stadt Mullagh, die für sich beansprucht, Geburtsort Kilians zu sein. Man erfuhr hierbei auch etwas über das Leben des Wandermöches während seines Wirkens in seinem Heimatland im 7. Jahrhundert, bevor dieser auf das europäische Festland aufbrach. Sich dort genauer umzusehen und auf Entdeckungsreise gehen zu können wäre sensationell, schien aber in sehr weiter Ferne. Nach umfangreicher Planung, genauer Kalkulation und Organisation in Zusammenarbeit der Schüler mit den Lehren und finanzieller Unterstützung der Eltern, des Kinderheimes und des Jugendamtes konnte die Idee doch wesentlich schneller als für alle erwartet in die Tat umgesetzt werden.Ende Juni war es dann so weit. Mit dem Flugzeug ging der Flug ab Frankfurt/Hahn nach
Dublin, dem Ausgangspunkt der Rundreise (Bild1: Dublin City - Abendstimmung am Liffey). Die Hauptstadt der Republik Irland ist mit ihren etwas über 500.000 Einwohnern mit Abstand die größte Stadt des Landes. Dublin bietet unzählige Sehenswürdigkeiten; häufig so nahbeieinander gelegen, dass man viele der dort gebotenen Attraktionen zu Fuß erreichen kann. Während der ganztägigen Stadtbesichtigung ließen es sich die „Kilianer“ natürlich nicht nehmen, die gleichnamige deutsche Schule in Dublin zu besuchen und sich von deren Rektor eine Führung geben zu lassen (Bild 2: Zu Besuch in der Deutschen Schule Dublins). Nach dem fast 20 km langem Fußmarsch hatte man sich es verdient, den Abend bei traditioneller irischer Livemusik in einem der berühmten Dubliner Pubs ausklingen zu lassen.
Erster Halt auf der anschließenden fast 1100km langen Fahrt durch das Land war das im 5. Jahrhundert gegründete Kloster Monasterboice, dessen bedeutenste Sehenswürdigkeit ein aus dem 10. Jahrhundert stammendes Hochkreuz ist. Die für die keltischen Gebiete ab dem 8. Jahrhundert typischen Kreuze sind aus Stein gemeißelt und erreichen Höhen von bis zu 6,5 m. Hochkreuze galten und gelten noch immer als Symbol des Christentums in Irland. Muiredachs Kreuz (Bild 3: Hochkreuze im Kloster Monasterboice), das schönste seiner Art in Irland, ist vollständig mit biblischen Darstellungen verziert. Vor mehrals tausend Jahren wurden diese dazu genutzt, dem des Lesens nicht kundigen Volk die Geschichte der Bibel nahe zu bringen. Einen eindrucksvollen Blick noch viel weiter in die Vergangenheit ermöglichte der Besuch von Newgrange, einer Grabanlage aus der Zeit um 3200 v. Chr.. Der Besuch des Mullagh Heritage Centers, einem kleinen Museum zu Ehren St. Kilians in seiner Geburtsstadt, lieferte einen umfangreichen Einblick über das Leben der irischen Mönche im siebten Jahrhundert und das Wirken St. Kilians und seiner Gefährten.
Nach diesen informativen Eindrücken aus drei Jahrtausenden der bewegten Geschichte und Kultur Irlands galt es am folgenden Tag die Natur zu erkunden. Die Besteigung der mit 598m höchsten Felsenklippe Europas, Slieve League (Bild 4: Camping im einsamen Nordwesten - Cliffs of Bunglass), im Nordwesten des Landes war für alle ein besonderes Erlebnis. Das Bad im Atlantik an einem einsamen Sandstrand an der Westküste brachte die nach den Anstrengungen des Auf- und Abstieg ersehnte Erfrischung. Nicht nur an diesem Abend wurde das leibliche Wohl mit einer leckeren Portion Fish & Chips wieder hergestellt. Satt und zufrieden verkroch man sich am späten Abend in seinen Schlafsack (Bild 5: Sonnenuntergang an Irlands Westküste).
Früh am Morgen ging die Fahrt in Richtung Süden zum Burren Nationalpark, einem ausge-dehnten Kalksteinplateau mit einer einzigartigen Geologie und Natur und dem berühmten Poulnabrone Dolmen (Bild 6: Poulnabrone Dolmen im Burren Nationalpark), einer imposanten Grabstätte aus der Zeit von 2500-2000 v. Chr.. Der Besuch von Bunratty Castle, einer der schönsten Burganlagen Irlands aus dem 15. Jahrhundert versetzt seine Besucher in die Zeit des Mittelalters. Die Besichtigung des angrenzenden Freilandmuseeums hingegen entführt in das irische Landleben des 19. Jahrhundert. Der Spaziergang und das Abendessen in Adare, dem Dorf welches als hübschestes Irlands gilt, bildete den gelungenen Abschluss eines weiteren Reisetages. Die Nacht verbrachte man auf dem nahegelegen Campingplatz. Nach zwei Nächten im Zelt in der freien Natur eine gute Entscheidung, nicht zuletzt
wegen den dringend benötigen Dusch - und Bademöglichkeiten. Am darauffolgenden Vormittag stand der Besuch der Cliffs of Moher, dem wohl am Meisten besuchten Naturdenkmal Irlands, auf dem Programm. An diesem Abschnitt der Westküste ragen Klippen auf acht Kilometer Länge 200 Meter hoch aus dem Meer und liefern dem Betrachter einen atemberaubenden Anblick (Bild 8: Cliffs of Moher). Nach der Fahrt durch den Killarney National Park mit seinen zahlreichen wunderschönen Seen (Bild 9: Killarney National Park) und den umgebenden Gebirgslandschaften zum Abschluss der Reise war verständlich, warum nach Aussagen von Irlandkennern der Besuch dieser Region bei keiner Reise fehlen darf. Die letzte Nacht verbrachte man in einer landestypischen Unterkunft mit Bed & Breakfast. Gestärkt vom üppigen traditionellen irischen Frühstück hieß es am späten Vormittag Abschied nehmen. Von dem Flu
ghafen in Kerry startete der Rückflug. Nach eine für alle Teilnehmer sicherlich unvergessliche Woche erreichte man, wenn auch nicht ganz munter-so aber bei bester Laune und Gesundheit, am Mittag wieder heimischen Boden.
Rainer Blase; Arndt in het Panhuis
Impressionen: