Tauberbischofsheim. Richtig mutig waren die 13 Schüler der Nardini-Schule bei der offiziellen Eröffnung ihrer Außenklasse am Freitag im Bildungshaus St. Michael. Dass sich Jugendliche im Alter zwischen elf und 16 Jahren nämlich vor eine ganze Schar von Menschen stellen und singen, ist nicht gerade selbstverständlich.
Bereits die Impressionen aus dem Schulalltag, Dias mit hinterlegtem Song über die Zerbrechlichkeit der jugendlichen Psyche, zeigten, dass es in der Außenklasse des Erzbischöflichen Kinder- und Jugendheims St. Kilian, Walldürn, um mehr geht als um Wissensvermittlung. Schulleiter Frank Hemberger erläuterte, dass die Außenklasse für Kinder und Jugendliche in Not eingerichtet wurde: für Kinder, die stören, aggressiv sind, keine Regeln beachten oder häufig die Schule schwänzen. Für sie sei mit der Außenklasse in Tauberbischofsheim eine Lösungsmöglichkeit vor Ort geschaffen worden, um sie im Idealfall wieder in ihre alte Schule zu integrieren.
Prinzip der Nardini-Schule sei es, jedes Kind und jeden Jugendlichen gemäß seiner Begabung zu fördern und den Blick weg von den Defiziten und hin zu den Kompetenzen zu richten. Mehr Selbstvertrauen und die Freude am Lernen sollen so zurückgewonnen werden. Schwerpunkte lägen in den musischen Fächern, aber auch im Sport oder im Werken. Darüber hinaus gelte es, einen verlässlichen Rahmen mit Normen und Regeln zu stecken.
Bei der Altersmischung der Schüler wird nicht in Klassen, sondern in Stufen unterrichtet, wobei jeder entsprechend seines Entwicklungsstandes gefördert wird. In Planungs- und Fördermeetings (PluF) legen die Lehrer den Rahmen für die Schüler fest. "Lebensraum statt Klassenzimmer" heißt ein weiteres Schlagwort, das den Kindern und Jugendlichen die Freude am Lernen zurückbringen soll. Klassenzimmer können selbst gestaltet und verschönert werden, im gemeinsamen Morgenkreis wird gebetet, gesungen, das Verhalten vom Vortag bewertet oder Probleme angesprochen. Ein weiterer wichtiger Schwerpunkt ist die Fahrradwerkstatt und das tägliche Laufpensum zur Vorbereitung auf den Würzburger Halbmarathon.
Günter Hauk, Gesamtleiter des Erzbischöflichen Kinder- und Jugendheims St. Kilian, hatte zuvor erklärt, dass die im November eröffnete Außenklasse ein neues Angebot der Nardini-Schule sei. An der Jugendhilfeeinrichtung sei auch das Kreisjugendamt maßgeblich beteiligt. Hauk betonte, dass im Sinne des christlichen Menschenbildes gearbeitet und sich gerade der Not, die im seelischen Bereich und im emotionalen Umgang entstanden sei, gewidmet werde. Er freute sich, dass trotz knapper Kassen die Einrichtung der Klasse als wichtige Investition in die Zukunft angesehen worden sei und etliche Hürden zwischen den für den württembergischen und den badischen Landesteil zuständigen Behörden ausgeräumt wurden.
Jugendamtsleiterin Elisabeth Krug hob die gute Zusammenarbeit mit der Nardini-Schule und St. Kilian hervor. Mit der Außenklasse sei, nach Weikersheim im Süden, nunmehr auch für den mittleren und nördlichen Kreisteil eine Außenklasse eingerichtet worden. "Ein Schulabschluss wäre uns am wichtigsten", betonte sie. Dem Fachgebiet Schulaufsicht im Neckar-Odenwald-Kreis dankte sie für die kooperative Zusammenarbeit bei den mannigfachen verwaltungstechnischen Problemen.
Schulamtsdirektor Jürgen Kriege aus dem Neckar-Odenwald-Kreis wünschte der Außenklasse viel Erfolg und freute sich rückblickend über die gute Zusammenarbeit zwischen seinem Haus und dem Kreisschulamt Main-Tauber. Johannes Deubel, Leiter des Bildungshauses St. Michael, erinnerte an den schnell bewilligten und ausgeführten Umbau der Räumlichkeiten und freute sich, dass die Tradition des Bildungshauses, ein Haus für Schüler zu sein, weitergeführt werde. Nachdem sich die Elternvertreter den guten Wünschen angeschlossen hatten, sprach Dekan Werner Florian den Segen. hvb
Fränkische Nachrichten
22. Februar 2005