Vernissage in der Volksbank Franken Walldürn: Mädchen und Jungen des Erzbischöflichen Kinder- und Jugendheims "St. Kilian" stellen aus

Thema "Kraft" aus Sichtweise des Künstlers

Walldürn. Mit einer Vernissage eröffnet wurde am Donnerstagabend eine Ausstellung der Volksbank Franken in Walldürn, die im Rahmen des 150-jährigen Bestehens des Erzbischöflichen Kinder- und Jugendheimes "St. Kilian" Bilder und Skulpturen von Schülern der Nardini-Schule zum Thema "Was bewegt? - Kraft!" präsentiert. Im Rahmen eines Projektes, das von der Hardheimer Künstlerin Christiane Miczajka geleitet wurde, haben sich die Kinder und Jugendlichen das gesamte Schuljahr über mit dem Thema "Kraft" auseinandergesetzt.

Viele junge Künstler

Mit einer Vielzahl von Zitaten bekannter Persönlichkeiten, Politiker, Dichter und Literaten zum ausgewählten Thema - vorgetragen von zwei Schülern Oberstufenschülern der Nardini-Schule - wurde die Vernissage literarisch im Obergeschoss der Volksbank Franken eröffnet. Bankdirektor Edgar Mechler hieß die Gäste sowie die 60 jungen Künstlerinnen und Künstler willkommen, ehe Bürgermeister-Stellvertreter Walter Gramlich Grußworte für die Stadt entbot. In den Bildern und Skulpturen stecke viel innere Kraft, die den inneren Zustand der Künstler (Freude, Schmerz, Trauer, Enttäuschung) oftmals widerspiegelten.

Direktor Günter Hauk als Heimleiter des Erzbischöflichen Kinder- und Jugendheimes dankte allen, die sich für die Ausstellung einsetzten, voran der Hardheimer Künstlerin Christiane Miczajka für deren außerordentliches Engagement im Zu-sammenhang mit der Leitung des Kunstprojekts.

Nach dem von Schülern dargebotenen Lied "Das Auto von Lucio" führte der Schulleiter der Nardini-Schule, Rektor Frank Hemberger, in die Ausstellung ein. Das Thema "Kraft" sei für viele Kinder ein ganz zentrales Thema, das oftmals auch im engen Zusammenhang mit den traumatischen Erfahrungen der Machtlosigkeit gesehen werden müsse, die viele der an diesem Projekt beteiligten Kinder bereits hinter sich hätten.

Macht zurückgewinnen

Dabei seien die Verhaltensauffälligkeiten dieser Kinder oftmals als Versuch zu sehen, Macht zurück zu gewinnen. Gelinge dies, dann führe es dennoch oft genug zu weiterer Verunsicherung und weiteren Auffälligkeiten. Deshalb müsse die pädagogische Arbeit hier klare Grenzen vor dem Hintergrund einer festen und belastbaren Beziehung setzen, und diese Grenzen müssten in allen Situationen stabil bleiben.

Das Kind müsse erkennen und erfahren, dass bestimmte Verhaltensweisen nicht akzeptiert, es selbst aber als Mensch angenommen und respektiert werde. Was geschehe, geschehe immer aus Fürsorge für das Kind, und dies sei die Basis erfolgreicher Zusammenarbeit und die Kraft für ein selbst bestimmtes Leben in Verantwortung für sich selbst und für seine Mitmenschen.

Vor diesem Hintergrund seien in der Projektarbeit "Was bewegt? - Kraft!" die verschiedenen Facetten des Begriffs "Kraft" herausgearbeitet worden. Dabei sei unter anderem auch das Thema "Muskelkraft" der Ausgangspunkt für verschiedene Foto-Aufnahmen und für Gips-Arbeiten der Unterstufe gewesen.

Die Auseinandersetzung mit dem physikalischen Begriff "Kraft" zeige sich bei dieser Ausstellung in ver-schiedenen experimentellen Bildern (Kreiselbilder, Murmelbilder, geflickte Baumscheiben, Blasbilder mit Tusche), bei denen auf den Zufall gesetzt worden sei.

Weiterhin seien von den Kindern und Jugendlichen der Nardini-Schule die Kraft der Fantasie, der Gefühle und der Religionen sowie die Kräfte der Natur künstlerisch bearbeitet worden. Lehrer Paul Kohl von der Nardini-Schule sei als Triebfeder der künstlerischen Arbeit an der Schule zu sehen.

Nach einer beeindruckenden instrumentalen Darbietung der Trommelgruppe der Nardini-Schule unter der Leitung von Magnus Balles folgte ein Rundgang durch die Ausstellung. ds

Fränkische Nachrichten
21. Juni 2008