In der Hauptstufe werden die wesentlichen pädagogischen Elemente der Grundstufe aufgegriffen und altersgemäß fortgeführt. Insbesondere ein angepasster Regel- und Konsequenzenkatalog ist die unerlässliche Grundlage der pädagogischen Arbeit. Über Feedback-Listen erhalten die Schüler Rückmeldung über die Angemessenheit ihres Verhaltens. Bei Regelverstößen erfolgen die üblichen Sanktionen. Darüber hinaus sind Täter-Opfer-Ausgleich und Streitschlichtungsverfahren wichtige Rituale, wenn es um Konfliktklärungen geht. Im Unterschied zur Grundstufe werden die Schüler der Hauptstufe nun darin trainiert, solche Klärungsgespräche selbständig durchzuführen.
Ein spezifischer Bestandteil des Unterrichts im Hauptstufenbereich bilden darüber hinaus erlebnispädagogische und sportliche Aktivitäten, Orientierung in Berufsfeldern und der Einsatz neuer Medien.
Das Erlernen des sachgerechten Umgangs mit neuen Medien, eine grundlegende Voraussetzung in der heutigen Berufswelt, ist ein zentraler Bestandteil des alltäglichen Unterrichts. Insbesondere bei der Beschulung verhaltensauffälliger Schüler ist die stark motivierende Wirkung des Gebrauchs neuester Medien von großem Nutzen. Die durchweg positiven Erfahrungen der letzten Jahre in Bezug auf regelmäßigen Einsatz des Computers im Unterricht bestätigen dies.
Ziel ist es einen multimedialen Unterricht durchzuführen, der den herkömmlichen Lernstoff mit Animationen, digitalen Bildern, Internetrecherchen, Lexika usw. ergänzt und anschaulicher macht. Die Schüler haben nach entsprechender Einweisung die Möglichkeit selbständig an den verschiedensten Lernprogrammen ihren Schulstoff zu vertiefen. Auch Internetrecherchen zu einem Projekt etc. sind erwünscht. Neben dem Vertrauen zum Schüler auf den richtigen Seiten zu surfen, wacht eine Steuerungssoftware des Lehrers über den Schüler und lässt durch stichprobenartige Kontrollen diesem keinen Raum für zu ausuferndes Surfverhalten. Mit Hilfe der Steuerungssoftware gelingt es, gezielt auf individuelle Schwierigkeiten oder Stärken der Schüler einzugehen und bei Bedarf auch rigoros das Nutzungsrecht für den Computer zu entziehen. Fortgeschrittene Schüler erstellen zu durchgeführten Projekten, Exkursionen, Praktika, multimediale Lern-CD’s mit Hilfe spezieller Programme oder Erstellen eigene Webseiten, für die eine eigene Domäne existiert.
Die Schüler lernen in der Radwerkstatt den sachgemäßen Umgang mit Spezialwerkzeug, eigene und fremde Räder zu warten und Instand zu halten. Bei der Durchführung von Auftragsarbeiten in der Art einer Übungsfirma ist der Bezug zum späteren Beruf bzw. OIB gegeben. Die Arbeit in der Fahrradwerkstatt motiviert die Kinder und Jugendlichen gewissenhaft und sorgfältig zu arbeiten. Das Einüben berufsrelevanter Schlüsselqualifikationen ist hier von großer Bedeutung. Das Werkzeug aufzuräumen, den Boden zu fegen oder das Pflegen der Räder wird zum Selbstverständnis und ist nicht dem Lustprinzip der Schüler untergeordnet. Belohnung aller dieser Mühen sind Radtouren in der Umgebung Tauberbischofheims. Wer ein gut gewartetes Rad besitzt, kann hierbei nicht nur seine Ausdauer und Koordinationsfähigkeit verbessern, ihm wird zudem die Wichtigkeit seiner Arbeit unmittelbar bewusst. Das richtige Verhalten im Verkehr und die richtige Fahrtechnik wird den Kindern und Jugendlichen vermittelt. Das korrekte Fahren in der Gruppe ist oberste Prämisse, um Auffahrunfälle o.ä. entgegenzuwirken. Gewünschter Nebeneffekt ist die kontinuierliche Steigerung der Langzeitausdauer. Ergänzt werden die Touren durch topographische Lehrgänge, das Erlernen des Umgangs mit Karten und Erklärung der Flora und Fauna am Wegesrand. Im Zuge dieser erlebnispädagogischen Maßnahmen sind auch mehrtägige Ausfahrten möglich.
Die Vorbereitung auf das Leben nach der Schule ist ein Leitgedanke, der sich im Schulalltag an vielen Stellen wiederfindet. Neben der Radwerkstatt bilden Praktika einen weiteren Schwerpunkt im Schulunterrichts. Sofern die körperliche und geistige Reife einem solchen Praktikum nicht widerspricht, besuchen Schüler ab Klassenstufe 7 an einem Tag in der Woche einen Betrieb in der Nähe unsere Einrichtung. Die Dauer beträgt mindestens ein halbes Schuljahr. Danach steht es dem Schüler frei in ein anderes Praktikum zu wechseln. Er hat somit die Möglichkeit mehrere Berufsfelder kennen zu lernen und sich über einen ausgedehnten Zeitraum in einen Betrieb zu integrieren. Der Arbeitgeber beurteilt nach einem halben Jahr die Eignung des Jugendlichen für den Beruf und die Ausprägung benötigter Eigenschaften. Es zeigt sich dabei immer wieder, dass die Betriebe diese Eignungsprüfung sehr schätzen und die Jugendlichen aufgrund der verifizierten Fähigkeiten teilweise auch gerne in ein Ausbildungsverhältnis übernehmen. Der Unterricht thematisiert die Praktika in vielfältiger Weise, z.B. in Form sorgsam erstellter Praktikumberichte, Fotodokumentationen, Internetrecherchen , Ablaufdiagramme zu berufsvorbereitende Maßnahmen uvm.
Sport ist als ein nicht unbedeutender integrativer Bestandteil dieses Gesamtkonzeptes zu sehen. Um allgemein bestehendem Bewegungsmangel und vorhandenen Schwächen im Bereich der Koordination und Motorik bei einem nicht geringen Teil der Schüler entgegenzuwirken, legen wir Wert auf differenzierten und kontinuierlichen Sportunterricht. Neben der individuellen Körpererfahrung zielen die sportlichen Aktivitäten auf eine Erhöhung der körperliche Anstrengungsbereitschaft. Zudem ermöglicht die dem Sport in unserer Gesellschaft beigemessene Bedeutung den Erwerb von Sozialprestige auch für Kinder und Jugendliche, die in anderen Bereichen weniger Profilierungsmöglichkeiten haben. Insbesondere Schüler mit erheblichen schulischen Defiziten und Schwächen im kognitiven Bereich können hier vorhandene körperliche Ressourcen positiv nutzen, was nicht selten im Einklang mit der Stärkung des Selbstwertgefühl steht. Besonders der Mannschaftssport bietet Raum zum Erlernen und Einüben von sozialen Regeln; Teamgeist und Fairness werden großgeschrieben.
Ein wichtiges Ziel unserer Arbeit ist der Erwerb des Förder- oder Hauptschulabschlusses. Entgegen der wachsenden gesellschaftlichen Abwertung dieser Abschlüsse, erzeugen diese bei unseren Schülern oft ein hohes Maß an wiedergefundenem Selbstvertrauen in ihr Leistungsvermögen. Sie bilden das Fundament, um erfolgreich eine anschließende Ausbildung zu durchlaufen. Es muss natürlich deutlich betont werden, dass nur überdurchschnittliche Leistungen in der Prüfung Grundlage sind für die erfolgreiche Bewältigung der Berufsschule. Ein Großteil der Absolventen können wir zu diesem Fundament verhelfen, die weniger erfolgreichen Schüler kommen in berufsvorbereitende Maßnahmen.